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Moshes zweites Leben

Uraufführung

Eine Theater - Koproduktion des Fördervereins Gedenkstätte Ahlem, der Hannoverschen Kammerspiele, des theaters sýstema und der Theaterinitiative Bühnensturm

Vor 71 Jahren wurde das KZ Bergen-Belsen von der britischen Armee befreit. Den Soldaten offenbarte sich Unvorstellbares: Leichenberge, dazwischen lebende Skelette, Seuchenopfer, Überlebende und Tote kaum zu unterscheiden. Noch kurz vor der Befreiung hatte sich eine besonders grausame Episode ereignet. Jüdische Häftlinge, alle Zwangsarbeiter bei Hanomag, waren aus dem KZ-Außenlager Hannover-Mühlenberg nach Bergen-Belsen getrieben worden. Zu Fuß, bis zur totalen Erschöpfung. Wer nicht mehr laufen konnte, wurde erschossen.

Diese Stufe der nationalsozialistischen Vernichtung ist historisch nur wenig aufgearbeitet. In dem Theaterstück „Moshes Todesmarsch und sein zweites Leben“ wird sie deshalb zum Thema.

Grundlage des Stückes bilden zwei Interviews mit den Überlebenden Moshe Oster und Josef Dreilinger. Sie wurden 2000 und 2006 für die Gedenkstätte Bergen-Belsen geführt. Die beiden Männer sind zu der Zeit schon weit über 70. Aber ihre Erinnerungen blieben lebendig. Sie schildern den Todesmarsch, die Brutalität der SS-Leute, das Chaos im KZ Bergen-Belsen, die Befreiung und die Zeit unmittelbar danach. Damals waren sie 18 und 19 Jahre alt.

Diese beiden jungen Männer werden zu Protagonisten des Theaterstückes. Die Szenen sind zwar fiktiv, aber sie geben Stimmung und Gedanken der zwei Überlebenden wieder, die die Filmdokumente verdeutlichen. Josef Dreilinger ist der robustere. Weil er unerschütterlich an eine Zukunft glaubte, hat er die Erniedrigungen in den Lagern vitaler überstanden als Moshe Oster.

Thematisiert wird nicht nur der Leidensweg der KZ-Häftlinge, sondern auch ihr jugendlicher Überlebenswille, ihre Hoffnung auf ein Leben jenseits der nationalsozialistischen Unmenschlichkeit. Eine Möglichkeit neuer Humanität bringt eine britische Krankenschwester ins Spiel. Einfühlsam versucht die ältere Frau, das Vertrauen der Beiden zu gewinnen. Dabei muss sie erkennen, dass sie die Dimensionen der Traumata, die die ehemaligen Häftlinge erlitten haben, kaum ausloten kann. Dennoch macht sie sich daran, ihre Patienten auf die Welt außerhalb des Krankenzimmers und außerhalb des Konzentrationslagers vorzubereiten.

Die beiden jungen Schauspieler, die Oster und Dreilinger darstellen, werden wichtige Identifikationsfiguren für jüngere Zuschauer, z.B. für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufen, da die kaum älter sind als die Protagonisten.

Die meisten Holocaust Überlebenden sind inzwischen gestorben. Ihre persönlichen Erinnerungen an die Verbrechen Nazi-Deutschlands können sie nicht mehr schildern. Mit der Kunstform des Theaters und auf der Basis von filmischen Zeitzeugen-Narrativen wird das möglich. Das unvorstellbare Leid, aber auch die Kraft der Holocaust-Überlebenden kann so in unsere Gegenwart geholt und verstehbar gemacht werden. Die Geschichte von Moshe Oster und Josef Dreilinger liefert ein Beispiel für die zahlreichen Todesmärsche im Frühjahr 1945, die mindestens 250 000 Menschen den Tod brachten. Von besonderem regionalen Interesse ist die Tatsache, dass dieses historisch-dokumentarische Kammerspiel zwischen Hannover und Bergen-Belsen angesiedelt ist.

Mit:

Andreas Daniel Müller - Moshe Oster
Gerrit Neuhaus - Josef Dreilinger,
Hanna Legatis - englische Rot-Kreuz-Schwester
Regie: Laetitia Mazzotti
Bühnenbild: Frank Olle
Kostüme: Dorothea Hoffmann

Besucherecho:

"Ich möchte Ihnen meine große Hochachtung  und Dank für das überaus eindrückliche Spiel sagen…das war ein sehr stark konzipiertes, inszeniertes und vorgestelltes Stück, ganz großen Dank!"
- Dr. Ingrid Spieckermann, Regionalbischöfin des Sprengels Hannover d. ev.-luth. Landeskirche Hannovers.

"Ein ergreifendes Theaterstück, einfallsreich inszeniert und packend gespielt. Es verdient viele Besucher."
- Peter Hertel, Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg e.V. und ehem. NDR-Redakteur

"Vielen Dank für die Theateraufführung. Sie war sehr gelungen. Die Wirkung war sehr nachhaltig."
-
Axel Kreutzmann, Dipl. Psychologe

"Das Stück lässt den Besucher nicht mehr los. Die Einblicke in die Psychogramme zweier junger Männer, die sich nach vier Jahren grausamster KZ-Erfahrungen neu ins Leben kämpfen, berührt zutiefst…in nüchterner Sprache und in klaren Linien sensibel nachgezeichnet…Das verdient viele Aufführungen und viel Besucher."
- Bodo Wiedemann, ehem. Superintendent des Kirchenkreises Celle

"Ich beauftrage Sie mit der Aufführung des dokumentarischen Theaterstücks „Moshes zweites Leben“ in der Gedenkstätte Bergen-Belsen…zu spielen."
-
Dr. Thomas Rahe, Leitung Forschung und Dokumentation, sowie stellv. Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen

"Moshes zweites Leben" Andreas Daniel Müller, Hanna Legatis, Gerrit Neuhaus Foto©Danilo Kurtz

nächste Vorstellungen:

am So. 3.4. um 16Uhr

im Café Jerusalem
Wunstorfer Landstr. 5
30453 Hannover

am Di. 19.4. um 11:45Uhr

im Erich-Kästner-Gymnasium
Marktstrasse 33
30880 Laatzen

am Mo. 25.4. um 19Uhr

Sankt Michael
Nienburg

 

am 28.5. 21Uhr + 22Uhr

15. Lange Nacht der Theater

im Theatermuseum Hannover

Ausschnitte aus
"Moshes zweites Leben"

"Moshes zweites Leben" Gerrit Neuhaus, Hanna Legatis Foto©Danilo Kurtz
"Moshes zweites Leben" Andreas Daniel Müller  Foto©Danilo Kurtz
"Moshes zweites Leben" Andreas Daniel Müller Foto©Danilo Kurtz

Dieses Theaterprojekt wurde möglich durch die Unterstützung von:

- Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

- Region Hannover Team Kultur

- HannoverStiftung

- Stiftung Niedersachsen

- Kulturbüro der Stadt Hannover

- Heinrich-Dammann-Stiftung Hildesheim

- Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg e.V.

Autor und Koordinator:
Martin-G. Kunze
mg.kunze@t-online.de
Tel. 0175 5902837

© theater sýstema e.V. 2011-2015

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