theater

Camere teatrali

Ein Stück Theater von und mit Laetitia Mazzotti und Christoph Linder. Mit Texten von Wolfram Hänel, E.T.A.Hoffmann, William Shakespeare u.a. In Zusammenarbeit mit Dorothea Hoffmann und Thomas Haas (Ausstattung, Licht, Ton) sowie Wolfram Hänel und Lukas Papierak. Musik von Mark Eichenseher. Choreographie von Yvonne Werner-Mees.

 

Wir recherchierten gemeinsam mit dem Publikum theatrale Räume in der Stadt und haben dazu Kunstaktionen veranstaltet, die an unterschiedlichen Orten, auch im öffentlichen Raum, stattgefunden haben.
Aus dieser Recherche und durch den Kontakt mit dem Publikum ist so über einen längeren Zeitraum ein Stück Theater entstanden, das am 28.7.2012 in der Gerhard-Uhlhorn-Kirche zur Uraufführung gebracht wurde.

 

Phase 1 - Die Recherche

Neben den beiden Schauspielern Laetitia Mazzotti und Christoph Linder waren drei junge KünstlerInnen aus den Bereichen Bühne, Kostüm und Fotografie für je eine Kunstaktion verantwortlich. Alle drei konnten Teile ihrer Bachelor-Arbeiten in dieses Projekt mit einfließen lassen.

Die Aktionen wurden angelegt im Spannungsverhältnis von Raum-Zeit-Künstler-Zuschauer. Kurze, intensive theatralische Momente, die trotzdem nicht im Theater zu verorten sind. Es konnte eine Geschichte erzählt werden oder Zuständliches zum Ausdruck kommen.

Auch der zufällige Passant, im öffentlichen Raum, wurde zum (unvorbereiteten) Zuschauer und konnte sich dabei, bewußt oder unbewußt, in ein künstlerisches Geschehen integrieren. Die Stadt wurde so als Kunst-Raum erfahrbar.

Wir waren auf dem Rummelplatz, auf Wochenmärkten, in einem leerstehenden Gewerberaum, einer Behindertenwerkstatt und einem Schloß. Es sind Kurzfilme, Klanginstallationen und verschiedene Improvisationen im öffentlichen Raum entstanden.

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Kunstaktionen #1 - #4

 

Phase 2 - Das Stück Theater

Der Recherche folgte eine intensive und prozessorientierte Probenphase. Die Verarbeitung der Aktionen konnte in ein collagiertes Stück Theater münden und wurde so zu einem Gesamtwerk komponiert.

Nachdem wir uns in der ersten Phase mit unterschiedlichen Orten beschäftigt hatten, sollte nun eine räumliche Synthese gefunden werden. Die Gerhard-Uhlhorn-Kirche in Linden Nord erschien uns dafür ideal. Wir haben uns im weiteren Verlauf von dem Ort mit der besonderen Architektur inspirieren lassen und einen Raum im Raum kreiert. Die Fenster der Kirche wurden beispielsweise bewußt nicht verdunkelt, sodass das natürliche Tageslicht zum Mitspieler des Abends wird.

Inhaltlich folgten die Schauspieler dem Thema Schatten und Licht und entwickelten sehr persönliche Szenen zu eigenen Ängsten und Träumen.

 

 

Presse:


HAZ, 30.07.2012

Ein Paar in der Manege

Das Theater sýstema spielt „camere teatrali“

Sie lassen nichts aus: Umarmungen, Tränen, Befremden, Drohen, Kommen, Gehen, Lieben, Streiten, Überleben. Ein Mann und eine Frau haben sich füreinander entschieden, doch bei seinem Blick auf das Hochzeitskleid und dem begeisterten Ausruf „Prinzessin“ geht der Ärger los. „Meinem Kleid gilt deine Liebe?“ fragt sie entsetzt.

Fortan wird er (Christoph Linder) seine Angebetete (Laetitia Mazzotti) nur noch im Unterkleid erleben. In „camere teatrali“, einem Stück, das die freie hannoversche Theatergruppe theater sýstema jetzt in der Gerhard-Uhlhorn-Kirche uraufgeführt hat, geht es um Bilder einer Paarbeziehung. Minutiös aneinandergereiht wie in einer Zirkusaufführung bereiten die beiden professionellen Schauspieler das Miteinander nach dem ersten Herzflimmern auf.

Es sind auch Raubtiernummern, die sich in dieser manegenartigen Kulisse auf und um mehrere Dompteurklötze herum abspielen, während immer wieder schräg leiernde Zirkusmusik von einer Orgel eingespielt wird. Zwischen clownesken und pantomimischen Anwandlungen entspinnt sich ein Miteinander zwischen den beiden Spielern, das sich durch intensive Körperarbeit und Mimik auszeichnet.
Die Geschichte, die die beiden erzählen, ist durchsetzt von Traumpartikeln und Rückblicken. Es gibt Publikumsbegegnungen, Einsichten in ein hinter dem Spielraum liegendes Schlafzimmer. Immer wieder tauschen die beiden Akteure ihre Rollen und immer wieder kommt es zu Alleingängen, in denen jeder Spieler ganz für sich agiert.

Die Zuschauer müssen schon beim Betreten des Raumes mitmachen: Im Durchgang sind Töpfe und Flaschen aufgehängt und verbreiten beim Eintreten der Neuankömmlinge ein Getöse wie am Hinterausgang eines Getränkegroßmarktes. Das ist einer von vielen witzigen Einfällen der Theatergruppe.

Dieses unbedingt sehenswerte Stück spielt im Hier und Jetzt und bleibt dennoch räumlich und zeitlich offen. Es ermöglicht einen faszinierenden Blick ins innere einer Paarbeziehung. (…)

Karin Vera Schmidt

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