theater

Jeanne

Träume von einem wirklichen oder eingebildeten Leben


Who´s that girl? Qui est cette fille? fragten sich bereits vor 600 Jahren die Engländer und Franzosen. Antworten gibt es viele, ein Rätsel bleibt sie dennoch.

Das Ensemble von Theater Systema macht sich mit seinem neuen Stück auf die Suche nach JEANNE d`Arc: Das unglaubliche Bauernmädchen, die Jungfrau, die angekündigt war und die bis heute unzählige Menschen zwischen Mythos und Ritterrüstung inspiriert, beschäftigt und in ihren Bann zieht. Ist sie eine Frau? Ein Mann? Ein Mädchen? Oder etwas anderes?

Denn sie ist anders als andere. Sie hört die Stimmen. Sie weiß, was sie zu tun hat. Sie sieht sich als Sendbotin Gottes und so auch selbst mächtig. Sie lebt allein, isoliert, unangepasst. Sie wartet ab, weiß, dass ihre Unschuld sie in ungeahnte Höhen führen wird...

JEANNE ist die Annäherung an einen Mythos und erzählt eine Geschichte des Aufbegehrens, von der eigenen unersättlichen Sehnsucht und führt ein Gespräch über die Angst. Jeanne als Prinzip.

 

von und mit:
Valerie Haslbauer, Laetitia Mazzotti, Henrik Kaalund; Christoph Linder, Frank Olle, Harald Schandry, u.A:

HAZ 12. Juli 2014

Der König aus der vierten Reihe

Das Theater Sýstema spielt „Jeanne“ in der hannoverschen Eisfabrik. In der Hauptrolle spielt Laetitia Mazzotti die Jeanne d’Arc, die die französischen Truppen zur Eroberung von Orléans anführte und 1431 im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen endete.

von Ronald Meyer-Arlt

Hier ist der Zuschauer König. Im Eiskeller der hannoverschen Eisfabrik in der Seilerstraße spielt die freie Gruppe Theater Sýstema „Jeanne“, ein selbst verfasstes Monologstück über Jeanne d’Arc, die die französischen Truppen zur Eroberung von Orléans anführte und 1431 im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen endete. Da diese Produktion ein Solostück für die Schauspielerin Laetitia Mazzotti ist, wird der König aus dem Publikum rekrutiert.

Ein weißhaariger Herr in der vierten Reihe darf sich von Johanna anschmachten lassen. Zwei andere Zuschauer werden aufgefordert, Rechenaufgaben lösen – deren Ergebnis die göttliche Bestimmung Johannas beglaubigen soll. Diese Zuwendung zu den Zuschauern passt ins Konzept, denn „Jeanne“, das den zwar richtigen, aber doch etwas ambitionierten Untertitel „Träume von einem wirklichen oder eingebildeten Leben“ trägt, ist Erzähl- und Erklärtheater, das sich oft direkt ans Publikum wendet.

Das Sýstema-Team betrachtet den Mythos der Jungfrau von Orléans von verschiedenen Seiten: Es geht um die Geschichte des Mädchens, das den Stimmen der Engel kaum Glauben schenken mag und Angst hat, seine Eltern zu verlassen, es geht um die soziale Situation im 15. Jahrhundert, es geht um Ausbruchsversuche junger Frauen und es geht auch um die Rezeption des Johanna-Stoffes. Die Theatergruppe hat Schiller dabei weniger im Blick als den Dramatiker Jean Anouilh und die Romanautorin Felicitas Zeller. Das Theater Sýstema präsentiert eine hübsch verspielte und sehr zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Johanna-Mythos. Das zeigt sich nicht nur in der erfrischend offenen Spielweise von Laetitia Mazzotti (die auch in den Improvisationspassagen Präsenz und Stärke beweist), sondern auch in dem technisch ausgeklügelten Bühnenbild.

Der Kellerraum ist mit Altar und Beichtstuhl in einen Kirchenraum verwandelt worden. Auf dem Altar und auf den Wänden sind Bilder projiziert, die sich plötzlich bewegen und auch zu sprechen beginnen (Video: Henrik Kaalund). Sehr eindrucksvoll! Regisseur Harald Schandry (ansonsten Chef des Klecks Theaters) hat mit dem Theater Sýstema einen klugen, unterhaltsamen und kurzweiligen Abend erarbeitet. Nach 75 Minuten verlässt man den Keller nicht nur klüger, sondern auch vergnügter, als man ihn betreten hat.

NEUE PRESSE, 12. Juli 2014

Wo Gott auch mal als Hahn auftrit

Tolles Solo – Stück in der Eisfabrik: JEANNE – TRÄUME VON EINEM WIRKLICHEN ODER EINGEBILDETEN LEBEN

von Christian Seibt

„Regiere Dich selbst!“, ruft kraftvoll die junge Frau in Kostüm und hohen Pumps ins Publikum. Gerade hat sie aufreizend und gedankenverloren zur Disko – Musik getanzt, nun spricht sie über eine ganz andere Zeit, über Jeanne d´Arc. Über jenes sagenumwobene, mystifizierte Bauernmädchen, das vor 600 Jahren Geschichte schrieb als mutige Kämpferin für Frankreich. „Who´s that girl? Qui est cette fille?“, fragt die junge Frau und singt Leonhard Cohens „Hallelujah“, während sie sich selbst mit dem Mikrofon – Kabel fesselt. Gleich darauf springt sie in die Rolle der jungen Jeanne in einfacher Kleidung. „Jeanne – Träume von einem wirklichen oder eingebildeten Leben“, nach Motiven von Jean Anouilh, so heißt die aktuelle Theaterperformance von Theater Sýstema bei der Commedia Futura in der Eisfabrik. Das Stück, das hier seine Premiere im ausverkauften Schwarzen Saal hat, fesselt. Das Besondere: Schauspielerin Laetitia Mazzotti, die zusammen mit Regisseur Harald Schandry die 70minütige Inszenierung erarbeitet hat, beeindruckt mit ihrer schauspielerischen Wandlungsfähigkeit und ihrem nuancenreichen Mimik – und Gestikspiel. Nur vordergründig ist es die Geschichte über die historische Person Jeanne, vielmehr geht es darum, auf die eigene innere Stimme zu hören, Angst zu überwinden und sich für ein eigenes Leben zu entscheiden – und sich nicht fremdbestimmen zu lassen. Das wird hier spannungsvoll und auch mal witzig dargestellt. So, als Mazzotti als unangepasste Jeanne mit bloßen Füßen und bemalten Händen ihre Eltern darstellt. Phantasievoll das Drumherum: Zu stimmungsvollem Licht und abwechslungsreicher Musik werden auf Wände und Kulissen Video – Animationen projiziert. Nicht nur die Schauspieler Friderun Bretschneider und Fabia Linder treten in Video – Sequenzen auf, sondern auch – sehr originell und augenzwinkernd – Gott als Hahn, der zu Jeanne spricht und mit ihr in den Dialog tritt. Am Ende langer, kräftiger Applaus mit Jubel..

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"Jeanne" Laetitia Mazzotti    Foto©2014 Klaus Fleige

"Jeanne" Laetitia Mazzotti    Foto©2014 Klaus Fleige

"Jeanne" Laetitia Mazzotti    Foto©2014 Klaus Fleige

"Jeanne" Laetitia Mazzotti    Foto©2014 Klaus Fleige

"Jeanne" Laetitia Mazzotti    Foto©2014 Klaus Fleige

 

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